Bodensee-Wasserstand: Was der Pegel Konstanz für Bootsfahrer bedeutet

Der Bodensee ist ein unregulierter See: Sein Wasserstand schwankt im Lauf des Jahres um mehr als einen Meter. Für Bootsfahrer entscheidet der Pegel darüber, ob Hafeneinfahrt, Ankerbucht oder Slipanlage nutzbar sind. 2026 ist der See ausserordentlich tief. Hier liest du, was die Zahlen bedeuten und was du tun kannst.

Der Pegel Konstanz

Massgebend für den Obersee ist der Pegel Konstanz. Er wird in Metern oder Zentimetern angegeben. Der langjährige Mittelwert liegt bei rund 3,40 m. Auch die Untiefenzeichen am See beziehen sich auf diesen Pegel: Bei 2,50 m am Pegel Konstanz ist seewärts der Markierung eine Mindestwassertiefe von 2 m vorhanden.

So schwankt der See im Jahreslauf

  • Februar und März: Tiefststand, meist zwischen 2,70 und 3,00 m.
  • Mai bis Juli: Die Schneeschmelze in den Alpen füllt den See. Der Höchststand liegt meist zwischen 3,50 und 4,50 m.
  • Ab August: Der See sinkt langsam wieder bis zum nächsten Frühling.

Das Rekordhoch liegt bei 5,65 m im Mai 1999. Die tiefsten Werte wurden jeweils im Spätwinter gemessen, der Rekord liegt bei 2,26 m.

2026: Niedrigwasser schon im Sommer

Nach einem schneearmen Winter fehlte 2026 das Schmelzwasser. Anfang August stand der Pegel Konstanz bei 2,87 m, also etwa auf dem Niveau, das sonst im Februar erreicht wird. Ende September waren es noch 2,53 m. Die Behörden rechnen damit, dass der See über den Winter weiter sinkt, weil Niederschlag in den Alpen dann als Schnee liegen bleibt.

Die Folgen für Häfen sind deutlich. In mehreren Häfen am Untersee und am Obersee mussten Boote umgelagert werden, und teils war nur noch ein Bruchteil der Liegeplätze nutzbar.

Was du als Bootsfahrer tun kannst

  1. Tiefgang ehrlich rechnen: Mit vollem Tank, Wasser und Ausrüstung liegt dein Boot tiefer als im Prospekt.
  2. Früh mit dem Hafenmeister reden: Wird dein Liegeplatz zu flach, frag frühzeitig nach einem Platz im tieferen Teil des Hafens oder in einem anderen Hafen.
  3. Karte und Untiefenzeichen beachten: Bei tiefem Pegel liegen Untiefen näher an der Oberfläche als gewohnt, vor allem am Untersee und in flachen Buchten.
  4. Ankerplätze neu beurteilen: Buchten, die im Sommer ideal sind, können bei Niedrigwasser zu flach sein. Tipps unter Ankerplätze am Bodensee.
  5. Slipanlagen prüfen: Manche Rampen enden bei Niedrigwasser im Flachen. Mehr dazu in Slippen am Bodensee.
  6. Winterlager rechtzeitig planen: Bei sehr tiefem Wasser kann auch das Auswassern schwieriger werden. Siehe Winterlager am Bodensee.

Wo du den aktuellen Pegel findest

Den aktuellen Wert des Pegels Konstanz veröffentlichen unter anderem die deutsche Wasserstrassenverwaltung (ELWIS) und mehrere Bodensee-Portale. Viele Hafenmeister informieren zusätzlich über die Wassertiefe in ihrem Hafen.

Häufige Fragen

Warum wird der Bodensee nicht reguliert?

Anders als viele Schweizer Seen hat der Obersee kein Wehr, das den Abfluss steuert. Deshalb folgt der Wasserstand direkt Niederschlag, Schneeschmelze und Verdunstung.

Ab welchem Pegel wird es kritisch?

Das hängt stark vom Hafen, vom Liegeplatz und vom Tiefgang deines Boots ab. Frag beim Hafenmeister nach, ab welchem Pegel es bei dir eng wird.